Eine PC-12 NGX für zwei Eigentümer: Rückblick auf ein Fractional-Ownership-Mandat

Private Aviation funktioniert besonders überzeugend, wenn Flugzeug, Eigentümerstruktur und Nutzungskonzept von Anfang an gemeinsam gedacht werden. Diese Fallstudie blickt auf eine Pilatus PC-12 NGX zurück, die für zwei Eigentümer in einer hälftigen Fractional-Ownership-Struktur erworben und betrieben wurde.

Lohn Aviation war bereits vor dem Kauf in die Gesellschaftsstruktur, die wirtschaftliche Planung und die Vorbereitung des Betriebs eingebunden. Das Flugzeug wurde Anfang 2024 ausgeliefert, bis Mitte 2026 rund 700 Stunden geflogen und anschließend für 6,88 Millionen USD netto verkauft.

Aus Gründen der Diskretion nennen wir weder Eigentümer noch Kennzeichen, Standort oder genaue Ausstattung. Vom Nettokaufpreis von 6,7 Millionen USD entfielen rund 1,4 Millionen USD auf Sonderausstattung. Einzelheiten dazu bleiben vertraulich, da die Kombination bestimmter Merkmale Rückschlüsse auf das konkrete Flugzeug zulassen könnte.

Die Struktur kam vor dem Flugzeug

Bei zwei Eigentümern mit jeweils 50 Prozent Beteiligung reicht es nicht, den Kaufpreis hälftig aufzuteilen. Vor der Übernahme mussten Eigentum, Einzahlungen, Nutzung, laufende Kosten und Entscheidungsrechte in einer belastbaren Gesellschaftsstruktur zusammengeführt werden.

Die Kapitalbeteiligung blieb hälftig, die Nutzung musste jedoch nicht in jedem Jahr identisch sein. Deshalb wurde zwischen substanzbezogenen Kosten und nutzungsabhängigen Aufwendungen unterschieden. Während gesellschaftliche Verpflichtungen und andere feste Kosten grundsätzlich der Beteiligungsquote folgen, müssen Treibstoff, flugstundenabhängige Programme und weitere einsatzbezogene Kosten dem jeweiligen Nutzer zugeordnet werden.

Welche Gesellschafts- und Betriebsstruktur wurde für das gemeinsame Eigentum gewählt?

Besitz und Betrieb des Flugzeugs wurden bewusst voneinander getrennt. Eine eigenständige Flugzeugbesitzgesellschaft wurde unmittelbar unterhalb einer bestehenden Holding positioniert. Sie hielt das Flugzeug als Vermögenswert und überließ es auf Grundlage eines Operating-Lease-Vertrags an eine separate Betriebsgesellschaft.

Die Betriebsgesellschaft verantwortete die operative Nutzung und vergütete der Besitzgesellschaft die Überlassung des Flugzeugs zu vertraglich festgelegten Bedingungen. Durch diese Trennung ließen sich Eigentum, Flugbetrieb, Kostenströme, Haftungsbereiche und der spätere Verkauf klarer strukturieren. Zugleich blieb die PC-12 NGX als eigenständiger Vermögenswert innerhalb der Holding-Architektur transparent abbildbar.

Die Positionierung unterhalb der Holding war darauf ausgerichtet, qualifizierende wirtschaftliche und steuerliche Effekte innerhalb der bestehenden Unternehmensgruppe berücksichtigen zu können. Daraus entsteht jedoch kein automatischer Steuervorteil. Voraussetzung sind unter anderem ein nachvollziehbarer betrieblicher Zweck, fremdübliche Leasingbedingungen, eine konsequente Trennung privater und betrieblicher Nutzung sowie die Erfüllung der jeweils maßgeblichen körperschaft-, umsatz- und ertragsteuerlichen Anforderungen. Die konkrete Struktur wurde daher gemeinsam mit den steuerlichen und rechtlichen Beratern der Eigentümer umgesetzt.

Ebenso wichtig waren klare Regeln für Buchungen, gleichzeitig gewünschte Reisetermine, Wartungszeiten, zusätzliche Rücklagen und einen späteren Verkauf. Gerade bei einer 50:50-Struktur müssen mögliche Pattsituationen vorab geregelt sein. Ein gemeinsam gehaltenes Flugzeug braucht nicht mehr Komplexität, sondern mehr Klarheit.

Erwerb und tatsächlicher Liquiditätsbedarf

Für den Erwerb wurde mit einem Nettokaufpreis von 6,7 Millionen USD ohne Umsatzsteuer gerechnet. Bei gleicher Beteiligung entsprach dies einer Nettoinvestition von 3,35 Millionen USD je Eigentümer.

Der Nettokaufpreis bildete jedoch nicht den maximalen Finanzierungsbedarf ab. Bei der Einfuhr musste zusätzlich Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 19 Prozent gezahlt werden. Dadurch entstand vorübergehend ein weiterer Liquiditätsbedarf von rund 1,273 Millionen USD. Insgesamt mussten somit zunächst rund 7,973 Millionen USD finanziert werden.

Die Einfuhrumsatzsteuer wurde später vom Finanzamt erstattet. Sie war daher kein dauerhafter Bestandteil des Flugzeugwerts, musste zum Zeitpunkt der Einfuhr aber vollständig verfügbar sein. Für jeden Eigentümer bedeutete dies neben dem Nettoanteil von 3,35 Millionen USD einen vorübergehenden zusätzlichen Finanzierungsbedarf von rund 636.500 USD.

Fällt beim Kauf eines Flugzeugs grundsätzlich Umsatzsteuer an?

Nein. Ob Umsatzsteuer oder Einfuhrumsatzsteuer entsteht, richtet sich unter anderem nach dem Ort der Übergabe, dem bisherigen Standort des Flugzeugs, dem Einfuhrweg, der erwerbenden Gesellschaft und der späteren Nutzung. Ein innerhalb der Europäischen Union erworbenes Flugzeug kann steuerlich anders behandelt werden als ein Flugzeug, das aus einem Drittland eingeführt wird. Auch die gesellschaftliche Zuordnung und die Frage, für welche unternehmerischen Tätigkeiten das Flugzeug eingesetzt wird, sind von Bedeutung.

Diese Unterscheidung ist bei internationalen Flugzeugtransaktionen wesentlich. Kaufpreis, Steuerzahlung und wirtschaftlicher Aufwand sind nicht dasselbe. Eine belastbare Liquiditätsplanung muss dennoch sämtliche Zahlungsströme abbilden, einschließlich einer später erstattungsfähigen Steuer und möglicher Finanzierungskosten bis zu ihrer Rückzahlung.

Die Betriebskostenplanung der ersten beiden Jahre

Die Planung ging von 300 Flugstunden pro Jahr aus. Für das erste Betriebsjahr wurden feste Kosten von rund 166.100 EUR angesetzt. Darin enthalten waren unter anderem Hangar, Versicherung, Aircraft Management, Navigations- und Datenservices, die jährliche Inspektion sowie eine Reserve für ungeplante technische und operationelle Aufwendungen.

Die unmittelbar flugabhängigen Kosten wurden zunächst mit rund 717 EUR je Flugstunde kalkuliert. Davon entfielen 567 EUR auf Treibstoff und 150 EUR auf Airways und andere streckenbezogene Gebühren. Die Treibstoffplanung basierte auf einem Verbrauch von 270 Litern pro Stunde und einem Preis von 2,10 EUR je Liter.

Bei 300 Flugstunden ergab sich für das erste Jahr damit ein geplantes Betriebsbudget von rund 381.200 EUR, jeweils ohne Crewkosten. Nach Ablauf der kostenfreien Anfangsperiode für bestimmte Datenservices erhöhte sich der Fixkostenblock im zweiten Jahr auf rund 173.700 EUR. Bei ansonsten gleichen Annahmen lag das geplante Betriebsbudget damit bei rund 388.800 EUR.

Die ursprüngliche Liquiditätsrechnung enthielt bewusst zusätzliche Reserven. Ziel war nicht, eine möglichst niedrige Stundenrate darzustellen, sondern ungeplante technische Maßnahmen, Preisveränderungen und zeitversetzt einsetzende Programmgebühren abzufangen.

Zusätzliche Kosten im dritten Betriebsjahr

Im dritten Jahr kamen weitere wiederkehrende Positionen hinzu. Für CAMO wurden 4.200 EUR und für die CAMP-Triebwerksüberwachung 3.600 EUR pro Jahr angesetzt. Damit erhöhte sich der jährliche Fixkostenblock unter unveränderten Bedingungen auf rund 181.500 EUR.

Ab der 401. Flugstunde wurde außerdem das ESP Engine Program mit 150 USD je Flugstunde kostenwirksam. Diese Schwelle ist für die Lifecycle-Planung relevant: Ein junges Flugzeug kann in den ersten Betriebsjahren vergleichsweise günstige Cash-Kosten zeigen, während Garantieeffekte, Freiperioden und später einsetzende Programme einen Teil der Belastung zeitlich verschieben.

Für eine seriöse Betrachtung dürfen deshalb nicht nur die Kosten des ersten Jahres fortgeschrieben werden. Maßgeblich ist, wann kostenfreie Leistungen enden, Wartungsprogramme einsetzen und kalender- oder laufzeitabhängige Ereignisse fällig werden.

Warum keine Crewkosten enthalten sind

Die ausgewiesenen Betriebskosten enthalten bewusst keine Crewkosten. Für das Flugzeug wurde keine eigene, dauerhaft beschäftigte Besatzung aufgebaut. Stattdessen kamen entsprechend qualifizierte Piloten aus dem Pilotenpool von Lohn Aviation zum Einsatz.

Die Pilotenkosten wurden abhängig vom tatsächlichen Aufwand zusätzlich berechnet. Relevant waren unter anderem Einsatzdauer, Anzahl der Flugtage, Positionierung, notwendige Übernachtungen und die konkrete Mission. Dadurch entstand kein dauerhafter Fixkostenblock für eine ausschließlich diesem Flugzeug zugeordnete Crew.

Dieses Modell bot für zwei Eigentümer mit einer Nutzung von rund 300 Stunden pro Jahr eine hohe Flexibilität. Gleichzeitig bedeutet es, dass die genannten Betriebskosten keine vollständige All-in-Rate für eine konkrete Reise darstellen. Die Crew wird missionsbezogen ergänzt und muss für jede individuelle Kalkulation separat berücksichtigt werden.

Planung und tatsächliche Nutzung

Das Flugzeug wurde Anfang 2024 ausgeliefert und Mitte 2026 mit rund 700 Flugstunden verkauft. Über die Haltedauer entsprach dies einer annualisierten Nutzung von ungefähr 280 bis 300 Stunden. Die Realität lag damit sehr nahe an der ursprünglichen Planung.

Diese Übereinstimmung war wirtschaftlich wichtig. Bei deutlich geringerer Nutzung hätten sich Versicherung, Hangar, Management und andere feste Positionen auf weniger Flugstunden verteilt. Bei wesentlich höherer Nutzung wären zusätzliche technische Ereignisse, Programmzahlungen und möglicherweise andere Anforderungen an die Crewplanung entstanden.

Die Planungszahlen bildeten die tatsächliche Größenordnung des Betriebs daher gut ab. Einzelne Kostenpositionen entwickelten sich naturgemäß anders als angenommen, das grundlegende Verhältnis von Nutzung, Fixkosten und flugabhängigen Aufwendungen erwies sich jedoch als belastbar.

Der Verkauf für 6,88 Millionen USD netto

Mitte 2026 wurde die PC-12 NGX mit rund 700 Flugstunden für 6,88 Millionen USD netto verkauft. Verglichen mit dem ursprünglichen Nettokaufpreis von 6,7 Millionen USD ergibt sich auf reiner Asset-Ebene eine nominale Differenz von 180.000 USD beziehungsweise rund 2,7 Prozent.

Bei einer hälftigen Beteiligung entsprach der Nettoverkaufspreis rechnerisch 3,44 Millionen USD je Eigentümer. Die zuvor gezahlte und später erstattete Einfuhrumsatzsteuer ist für diesen Vergleich nicht relevant, weil Kauf- und Verkaufspreis netto gegenübergestellt werden.

Weshalb wurde die PC-12 NGX bereits nach rund zweieinhalb Jahren verkauft?

Für die Eigentümer wurde ein anderes Flugzeug beschafft, sodass die PC-12 NGX innerhalb der weiterentwickelten Reise- und Mobilitätsstrategie nicht mehr dieselbe Funktion erfüllen sollte. Der Verkaufszeitpunkt wurde deshalb mit der Beschaffung des Nachfolgeflugzeugs abgestimmt.

Aus Vermögens- und Risikoperspektive kann ein Verkauf während der noch laufenden Herstellergarantie ein attraktives Zeitfenster darstellen. Die verbleibende Garantie reduziert für einen Käufer einen Teil der technischen Unsicherheit, während das Flugzeug noch jung, marktgängig und vergleichsweise klar kalkulierbar ist. Das kann die Vermarktung unterstützen, ist jedoch keine allgemeingültige Garantie für den höchsten Verkaufserlös.

Der nominale Unterschied ist dennoch kein Gesamtgewinn des Ownership-Modells. Laufende Betriebskosten, Crewkosten, mögliche Finanzierungskosten, Währungseffekte und Verkaufskosten müssen separat berücksichtigt werden. Der Verkauf zeigt vielmehr, dass das Flugzeug trotz einer substanziellen Nutzung von rund 700 Stunden seinen Wert auf US-Dollar-Basis bemerkenswert gut hielt.

Zu diesem Ergebnis trugen nicht nur Marktbedingungen und Flugstunden bei. Wartungsstatus, vollständige Dokumentation, professionelle technische Betreuung und eine bereits beim Kauf berücksichtigte Exit-Fähigkeit beeinflussen die Marktgängigkeit eines Flugzeugs erheblich.

Was aus diesem Mandat bleibt

Fractional Ownership war in diesem Fall kein standardisiertes Produkt, sondern eine individuell entwickelte Eigentümerlösung. Zwei passende Eigentümer, eine realistische Nutzungserwartung und eine klare gesellschaftliche Ordnung waren wichtiger als die rechnerische Halbierung des Kaufpreises.

Die Planung von 300 Stunden pro Jahr erwies sich als realistisch. Die gestaffelte Kostenentwicklung wurde früh berücksichtigt, die Crew flexibel aus einem qualifizierten Pilotenpool bereitgestellt und der spätere Verkauf bereits in der Struktur mitgedacht.

Die hier genannten Zahlen sind historische Planungs- und Erfahrungswerte dieses konkreten Mandats. Für ein anderes Flugzeug oder einen anderen Eigentümerkreis müssen Heimatbasis, Missionen, Flugstunden, Flugzyklen, Besatzungsmodell, Wartungsprogramme und gewünschte Verfügbarkeit neu bewertet werden. Präzise Zahlen entstehen deshalb nicht aus einer allgemeinen Stundenrate, sondern im Rahmen einer vertraulichen Beratung, die den tatsächlichen Einsatzzweck des Flugzeugs abbildet.

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Inhalt und fachliche Aussagen dieses Beitrags stammen aus der fliegerischen Erfahrung unseres Teams. Bei Formulierung und Aufbereitung kam KI-Unterstützung zum Einsatz. Der Text wurde vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft und freigegeben.